Die Küste des Landes, aus dem seine Vorfahren vor so vielen Jahren voller Schmach weichen mussten, liegt nun vor ihm im Dunkeln. Kaum ein Stern steht am Himmel, nur ein paar Laternen des verfluchten Landvolkes sind zu sehen, welche die Wälle aus Erde, die sie bauen um das Wasser fort zu halten, bewachten. Als ob sich die See nicht das holen würde, was sie wollte. Tiruvantes lacht ein tiefes böses Lachen, nachdem er das Wort des Landvolkes für diese Art der Baukunst ausgesprochen hat: “Eindeichen”. Kein jämmerlicher Wall, auch wenn er wie hier 15 Meter an Höhe misst, wird die See jemals in ihrem Zorn aufhalten können. Wie auch das nicht, was nun über das Landvolk kommen wird.

Tiruvantes dreht sich abrupt vom Bug fort und sieht auf seine Leibwehr, die sich am Bug des Strandreiters um ihn versammelt hat. Er fasst den Griff seiner Wasserklinge und lächelt jeden von ihnen an. Er sieht, wie sehr sie kampfeswillig sind, Zerstörung steht in ihren Gesichtern. Dennoch, Tiruvantes verengt seine Augen. “Nein!”, sagt er im befehlenden Tonfall, “ihr werdet euch an die Befehle der ersten Mutter halten! Kein Kampf ohne Angriff, kein Tod ohne einen Anlass! Wir werden es so durchführen, wie die Mütter und Töchter es geplant haben! Sie werden uns sehen, sie werden ihre Glocken läuten, dann werden die Späher die Wachen auf den Deichen betäuben und die Laternen löschen. Wir werden dann über den Erdwall gehen! Alleine! Die Seeführer der drei anderen Strandtreiter werden uns nur unterstützen, wenn wir sie rufen! Bannwirker, Gischtsänger ich will alle Schutzbanne! Aber keine Schadensbanne, bis wir wissen, ob einer dieser Adlerpriester in der Stadt ist!”. Tiruvantes sieht den Bannwirker und Gischtsänger seiner Leibwehr an, bis sie verstehend nicken. “Seeführer”, meldet sich Undien, der Erste von Tiruvantes Schildwehr zu Wort, “was ist wenn wir angegriffen werden?”. Tiruvantes fasst Undien ins Auge, tritt auf ihn zu und legt ihm beide Hände auf seine Schultern. “Dann mein Freund, dann werden wir Tod und Zerstörung über jedermann bringen, der es wagen sollte, den Kampf mit uns aufzunehmen!”. Kaum war dieses ausgesprochen, beginnen die ersten Glocken auf den Wällen des Landvolkes zu läuten. Tiruvantes wirbelt herum und hebt die Kapuze seines Nebelkleides über seinen Kopf mit den spitzen Ohren, die Formeln murmelnd, die die Schutzbanne, die in den Stoff gewoben sind, mit Macht füllen. Die letzte Silbe ist gesprochen, als der flache Bug des Strandtreiters knirschend in den Boden des Erdwalls des Landvolkes fährt. In dem Moment, als Tiruvantes über den Bug springt, erlöschen die Laternen und es verstummen die Glocken der Wachen des Landvolkes. Nebel beginnt, gefüllt mit der Magie des Gischtsängers, über den Wall zu wehen. Ein Vorbote des aufziehenden Verhängnisses für die Adler.

Tiruvantes zieht seine Klinge. Die darin gewobenen Banne lassen Wasser auf der Klinge glitzern und heruntertropfen, seine Leibwehr nimmt Sturmformation hinter ihm ein. Mit Schritten, die ihn niemals, sollte er nun angegriffen werden, dass Gleichgewicht verlieren lassen würden, eilt Tiruvantes auf den Erdwall, überwindet die Spitze mit einem Weg aus Holzbohlen und geht schnellen Schrittes auf Seite der Siedlung des Landvolkes wieder herunter. Von überall hört Tiruvantes aufkommendes Gebrüll und Geschrei. Auf dem sich öffnenden Platz vor ihm erblickt Tiruvantes einen einzelnen Mann bei einem Haus stehen, einen Riesen, mit einem Speer und einem Schild, der ihm entgegen blickt. Tiruvantes Blick wird aber schnell auf die auf ihn zulaufende Truppe unter dem Adlerbanner, welche aus der Holzfestung genau auf seine Position zuläuft, gelenkt. Dann schießen Pfeile aus dem Wachtturm der Befestigung heran und Tiruvantes muss lächeln. Hier ist der Grund den er braucht.
Der Bannwirker hebt die Arme in die Luft, die Pfeile verharren an Ort und Stelle, um dann dann laulos zu Boden zu fallen, als ob sie etwas Unsichtbares getroffen hätten. Tiruvates hebt seine Klinge und beginnt auf die kleine Truppe aus Kaiserlichen zuzulaufen. Seine Leibwehr hinter sich wissend, sieht er zur Befestigung des Landvolkes, und bemerkt bereits die leere Brüstung des Walles. Seine Bogenschützen haben die kaiserlichen Schützen bereits aus ihrer vermeintlich sicheren Position herausgeschossen. Der anrückende Trupp der Kaiserlichen ist gut trainiert, erfahrene Kämpfer. Sie bilden eine V-förmige Kampfreihe und senken ihre Speere über die Schilde, um die auf sie zulaufenden Kämpfer um Tiruvantes aufzuspießen. Der Rhythmus des Gesanges vom Gischtsängers hinter Tiruvantes wird immer lauter, und, kurz bevor er die Schwertspitzen der Kaiserlichen erreicht, entsteht aus dem Nichts vor ihm eine mehrere Meter hohe Wand aus Wasser, die wellenförmig über die Kaiserlichen hereinbricht, sie umwirft, durcheinanderwirbelt und zu Boden schlägt. Tiruvates ist mit seinen Schwertkämpfern, allen voran Undien, über den Kaiserlichen noch bevor diese ihren Stand zurückgewinnen können und die Wasserklingen schneiden durch Rüstung, Fleisch und Knochen, als träfen sie Papierpuppen. In Sekunden ist es vorbei. Keine Gefangenen.
Der Rest der Soldaten der Garnison ist nun auch bereit zum Kampf, sie laufen, nur in Eile mit dem Notwendigsten gerüstet, aus den Toren der Befestigung. Jedoch werden ihre Schritte immer schwerer, als der Boden an ihren Füßen zu kleben beginnt, als würden sie durch eine Masse aus Teer laufen. Sie sind keine zehn Meter aus dem Toren gekommen, als sie ihre Füße nicht mehr heben können, und unter Fluchen auf die Szene vor sich blicken. Was folgt, sind ein paar gut gezielte Schüsse der Bogenschützen von Tiruvates Leibwehr und die Kaiserlichen liegen allesamt tot oder in ihren letzten Atemzügen auf dem Boden. Tiruvantes weiss sofort, dass dieser Zauber zum Binden der Feinde seinem Bannwirker einiges an Kraft gekostet hat. Er weiß aber auch, dass die Späher berichteten, dass die Zahl der Kaiserlichen nicht viel größer sein sollte als die hier liegenden Toten. Kein Adler unter den Kaiserlichen. Das waren gute Nachrichten. Nun gilt es nur den Kampfeswillen der Leute in der Siedlung schnell zu brechen.

Tiruvantes dreht sich um, und erblickt den riesigen Mann, der unentschlossen seinen Speer hält, offensichtlich mit sich hadernd, ob er ihn werfen solle oder nicht. Immer mehr Menschen strömen in der Bewaffnung einer Bürgerwehr auf den Platz und halten inne, als sie die Leichen der Kaiserlichen sehen. Tiruvantes Leibwehr nimmt wieder in Formation hinter ihm Aufstellung, begleitet vom leisen Lied des Gischtsängers. Langsam geht Tiruvantes auf die versammelte Schar des Landvolkes zu.