Die alte Burg im Herzen der Kurlande hatte schon vielen Namen, so oft wie sie bewohnt und wieder geschliffen wurde, über die tausende der Jahre der Geschichte. Zuletzt fiel sie vor der Streitmacht des Réhtfólk, deren Feuersänger die Wälle einrissen und den Brand über alle Gebäude brachten. Zu dieser Zeit hieß die Burg Hochschatten, nach der Familie des Reichskämpen, der dort lebte. Unter der Herrschaft der Hochschattens war die Burg bereits ein verrufener Ort, mit einem grausamen Burgherren, dessen Lust auf neue Mätressen berüchtigt war. Die Frauen kamen auf die Burg, doch verließen sie diese nie wieder. Als die Burg fiel, wäre es nicht im Krieg gewesen, hätten vermutlich viele der umliegenden Gemeinden dem Heer der Kyndabál ihren Dank zugejubelt.

Und noch heute ist die Ruine vom Kaiservolk unbewohnt und sogar gemieden. Es spuke an diesem Ort, unheimliche Laute in der Nacht, am Tage steigt die Temperatur niemals höher als in der Nacht zuvor. Wenn sie wüssten, dass dieses kein Aberglaube ist, wären sie noch ängstlicher, denn die heutigen Bewohner wollen nicht, dass irgendjemand durch einen Zufall die Wege in die Tiefen der Burghügels findet. Zufälle machen Pläne zunichte. Zufälle stürzen Königreiche, und was die fünf Bewohner dieser Burg mit Bestimmtheit nicht wollen ist, dass ihre Pläne erneut scheitern.

Alle sind heute Nacht gekommen, haben ihre Throne bestiegen, bis auf den einen, dessen Augen sich nur in seinem Kopf bewegen können, gehalten auf seinem Thron durch die Banne der vier anderen. Corum sieht mit Abscheu auf den seit 777 Jahren in Stasis gehalteten Luthol. Die Entscheidung war gegen seine Stimme gefallen und Corum fragte sich, ob der Geist von Luthol noch unbeschädigt war. Aber das musste warten, Wichtigeres war zu besprechen. Er reisst seinen Blick los und blickt kurz über die anderen Anwesenden, Siniad, Abetha und am angewiderten auf Sasthior, seinem Feind im Geiste. Die Thronhalle war seine Idee. Ein Dom in den Stein unter der Burg geschlagen. “Wir werden gleichberechtigt sitzen und Entschlüsse fassen”, hatte er verkündet und doch schaffte er es, seinen Thron einen fingerbreit höher zu bauen als die Throne der anderen. Alle hatten es bemerkt, doch nur Luthol brachte es zur Sprache. “Ein Fehler der Steinmetze!”, verteidigte Sasthior. “Du duldest Fehler deiner besten Handwerker, Sasthior, das hätte ich nicht gedacht!”. Damit war das Thema erledigt, aber die Schmach hat Sasthior niemals vergessen, das leise Lachen der Anderen.

Corum lehnt sich zurück, er weiß, dass Sasthior wie immer das Treffen der fünf eröffnen wird. Corum richtet seinen Blick auf den Stein in der Mitte. Das darin gebundene Silberfeuer ruft und spricht zu ihm von Ruhm und Bewunderung, die ewige Prüfung der Kunst der Magie. Das gestohlene Silberfeuer, das ihnen Macht gibt, und die größte Schande ihrer Geschichte ist. Das was sie ihr genommen hatten, durch Lug, Trug und Gewalt.

Er wird aus seinen Gedanken gerissen, als Sasthior mit seiner dünnen, kratzenden Stimme zu sprechen beginnt: “Es hat begonnen. Sie wird erwachen. Wir müssen planen was zu tun ist. Lange ist es her, dass der Verrat von Luthol SIE über das Gleichgewicht erhob. Der Pakt ist beendet. Kesatira, die erste Klingensängerin, wird sich erneut erheben.” Sasthior sieht in die Runde. Corum ergreift das Wort: “Wir können nicht erneut hoffen, dass wir wieder einen Krieg beenden können, als…”, Schwäche überkommt Corum plötzlich, er hört Siniad und Abetha keuchen, sein Blick verschwimmt, Schwindel reisst ihn aus seiner Konzentration. Corum hört Arbethas gepresste Worte, “Sasthior was hast du getan, dieses ist dein Werk!”. Sasthior lacht, “oh zu früh, aber nur ein paar Minuten. Tausend Jahre Planung, fast auf den Augenblick genau. Ich bin ein Gott!”. Corum zischt, “ich werde dich zerschmettern du Verräter!”. Lachen. Höhnisches Lachen.

“IHR DUMMKÖPFE! LUTHOL DER PATRON VON IHR? PAH! ICH HABE IHR IHRE KRAFT GEGEBEN! ICH HABE MIR ZEIT GEKAUFT! ACHT JAHRHUNDERTE! ICH WERDE HERRSCHEN! ICH WERDE DEN AUFSTIEG BEGINNEN! DIE ADLER SIND NUN MEIN ALLEIN. DIE MACHT WIRD IHR DUNKLES KLEID OFFENBAREN”.

Der Blick von Corum beginnt sich zu klären, und er weiß, Sasthior ist fort. Er sieht auf das Silberfeuer, sieht bestürzt wie es schwächer leuchtet, schwarze Fäden durchziehen es, wie ein Gift, welches sich langsam im Körper ausbreitet. Verrat. Aber nicht Luthol war der Verräter gewesen. Erkenntnis, Corum will sich erheben und wird von einem Schlag, einer Erschütterung, nieder gestreckt. Ein Feuersänger ruft die Macht an, einen alten Schrecken zu bannen, ein Schrecken der lange vergessen galt. Ein Schrecken, der verboten ist, der niemals wieder hätte erstehen dürfen. Totenbann!

Corum sieht zu Siniad und Abetha. Beide sind kreidebleich und starren auf den Stein aus einem gefallenen Stern, der das Silberfeuer beherbergt. Abetha sieht nicht auf, doch sagt sie, “wir spüren es auch Corum! Wir haben den Untergang über diese Welt gebracht!”. Corum erhebt sich mit zitternden Knien: “Das werde ich nicht zulassen! Lasst uns Luthol befreien, wir brauchen seine Hilfe”, und leiser fügt er hinzu, “und seinen Rat!”.